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Weihnachtspost 1995 von Julchen und Mücke an ihre Züchter in Niedersachsen

Liebe Frau Schnieders, lieber Herr Schnieders,

zum Ende des Jahres möchten wir - Julchen und Mücke- von unseren diesjährigen Hundeabenteuern im Taunus berichten. Um es vorweg zu sagen: es war ein aufregendes Jahr mit vielen tollen Erlebnissen. Das Jahr begann mit ziemlich viel Stress, weil Frauchen ihre Jägerprüfung gemacht hat und wir dadurch ein bißchen zu kurz kamen - aber wir holten alles wieder auf.


Julchen (Schnieders Xaris) und Mücke (Schnieders Hexe)


Im April wurde ich (Mücke) auf eine Prüfung vorbereitet, die ich ganz toll fand. Konnte ich doch endlich nach Herzenslust Hasen (-spuren) lauthals verfolgen und wurde dafür auch noch gelobt. Sonst muss ich ja leider meine Klappe halten, aber hier hat sich Frauchen sehr gefreut. Diese Prüfung kam meinem Naturell sehr entgegen, behauptet Frauchen doch immer, dass ich einen "lockeren Hals" hätte. Jedenfalls haben wir zwei (Frauchen und ich) die Spurlautprüfung gut bestanden.


Mücke (*31.01.1991, LZ Sp, SFK, BHP I und II) Formwert V

Meine Freundin Julchen wurde ganz neidisch, schließlich wollte sie gerne auch Prüfungen machen und mir in nichts nachstehen. Frauchen hatte mit mir geplant, in diesem Jahr die Vielseitigkeitsprüfung zu bestehen. Julchen sollte besser nur "auf Schweiß gehen", wie Frauchen sagte. Also wurde im Sommer mit den Prüfungsfächern begonnen. Ich kann Ihnen sagen, das war ein Stress! Abrichtefächer waren kein Problem, Schußruhe und Treiben am Stand ließ ich mir auch noch gefallen - aber Schweißarbeit - igitt, igitt! Wie kann man nur als Dackel daran Freude haben. Es hat auch eine ganze Weile gedauert, bis ich Frauchen davon überzeugen konnte, dass ich hierfür nicht der geeignete Dackel bin - ist doch Stöbern mein Fach! Wir hielten also Familienrat: Frauchen, Julchen und ich. Schließlich hatte Frauchen ja einen von uns bereits für die Vp (Vielseitigkeitsprüfung "Dackel-Abitur") vorgesehen. Wir beschlossen dann, dass Julchen die Prüfung machen sollte, denn Schweißarbeit machte ihr mehr Freude. Ob sie allerdings spurlaut ist und ihr das Stöbern Spaß macht, war noch fraglich. Es mußte ausprobiert werden. Jedenfalls konnte ich mich zufrieden in mein Körbchen legen und Julchen die Arbeit machen lassen.

Mücke und Julchen in ihrem Garten am Chausseehaus in Wiesbaden (auf dem Foto sind beide bereits 16 und 15 Jahre alt)


Frauchen nahm Julchen dann auch mit auf die Hasenspur - kein Laut - Spursicherheit ja. Das wiederholte sich noch so einige Male und Frauchen wurde schon ganz kribbelig. Aber endlich hatte Julchen begriffen, dass man vor lauter Freude über die Hasenspur auch noch Laut geben darf. Als Generalprobe war kurz vor der Vp die Spurlautprüfung für Julchen geplant. Stolz kamen beide mit einem 3. Platz nach Hause - schließlich hatten von 7 gemeldeten Dackeln nur 2 bestanden und Julchen war dabei.

Der Tag der Vp rückte immer näher. Am Sonntag, dem 29.11. war es dann so weit. Julchen und Frauchen zogen ab zur Prüfung - es regnete in Strömen und ich bin noch nie so gerne wieder in mein Körbchen gekrochen, wie an diesem Sonntagmorgen. Aber über diesen Tag soll nun Julchen berichten:

Julchen (*19.04.1992 (LZ Sfk, Sp, SchwhK, Vp, BhFN, BHP 1 und 2) GTSt.Nr. 140/96, Formwert V)


Für die Vp waren 4 Hunde gemeldet. Ich war der kleinste Dackel (offenbar nimmt man Zwerge nicht so ernst, aber denen wollte ich es schon zeigen). Alle anderen Kollegen waren größer als ich. Wie schon gesagt, es regnete in Strömen, als wir ins Suchenlokal kamen. Frauchen zog für mich Los Nr. 3.

Bei den Abrichtefächern konnte ich die meisten Punkte einheimsen, ging ich doch frei bei Fuß und wurde frei abgelegt. Ich machte mächtig Eindruck auf die Richter - aber es kamen ja noch andere Fächer, die es zu bestehen galt.

Dann ging es auf die Schweißfährte. 600 m können verdammt lang sein (sagt Frauchen). Die zwei Dackelkollegen vor mir mußten ausscheiden, da sie nicht zum Stück kamen. Als ich startete, regnete es noch stärker. Frauchen triefte das Wasser vom Hut. Bis zum ersten Wundbett ging ich sehr zielstrebig, dann kam allerdings eine tolle Dickung, aus der es verführerisch nach Sauen "duftete". Mich hielt nichts mehr - immer wieder zog ich dahin. Frauchen hatte alle Mühe, mir die Rehfährte noch schmackhaft zu machen, aber schließlich kamen wir zum Stück und Frauchen fielen dicke Felsbrocken vom Herzen, bevor "Reh tot" erklang. Jetzt waren nur noch 2 Prüflinge von vier gemeldeten Dackeln übrig, Cora, eine Langhaarhündin von Engelmanns, und ich. Mit zwei durchnässten Prüflingen ging es in ein neues Revier zum Stöbern. Wir hatten das noch nie so richtig geübt und Frauchen war ganz nervös. Aber sie kann sich ja auf mich verlassen. Sofort nahm ich die Dickung an und kam auch nach ca. 15 Minuten wieder auf der gleichen Fährte zu Frauchen zurück - bestanden! Cora wollte sich von Herrchen nicht so recht trennen. Zweimal wurde sie in die Dickung geschickt bis es auch hier klappte. Weiter ging es über die Autobahn ins Hasenrevier nach Frankfurt. Wahrscheinlich hatten sich aber alle Hasen verabredet, bei dem Wetter zu Hause zu bleiben.

Julchen

In einem Kohlacker ging dann nach langer Zeit der erste Hase hoch. Nun bin ich ja wirklich nicht von hohem Wuchs - ich tat mein Bestes. Leider behinderte mich die Feuchtigkeit, die ich in mein Näschen bekam, die Spur lange zu halten. Die Richter versprachen mir einen zweiten Hasen. Cora tat sich auch schwer mit ihrem ersten Hasen. Beim zweiten Hasen hatte ich es einfacher, ging er doch auf der Wiese hoch und lief dann über einen Acker. Die Richter waren zufrieden und ich wurde langsam müde und hungrig. Außerdem war ich klatsch-naß. Dann berieten die Richter und sagten zu Frauchen, dass sie mir noch einen dritten Hasen anbieten würden, damit ich mich noch um einen Platz verbessern könnte. Ich war Frauchen sehr dankbar, als sie dieses ablehnte und mit Blick auf meinen Erschöpfungszustand auf dieses Experiment verzichtete. Die Vp war bestanden. Mit stolz geschwellter Brust und mindestens 5 cm größer begrüßte ich zu Hause Mücke. Inzwischen bin ich auch vom Landesjagdverband Hessen als Schweißhund für Nachsuchen anerkannt worden. Ich für meinen Teil hatte für dieses Jahr die Nase gestrichen voll mit Prüfungen und konnte mich jetzt ausruhen.

Julchen

Mir schien jedoch, als wäre Mücke ein bißchen traurig, dass sie in diesem Jahr nicht so viele Prüfungen gemacht hatte wie ich, aber Frauchen tröstete sie: Mücke durfte mit auf die Drückjagd, aber davon berichtet Mücke jetzt selbst:


Mücke

Der Rucksack wurde gepackt, der Steyr-Mannlicher aus dem Waffenschrank geholt und ich trippelte vor Aufregung auf meinen Läufen herum. Frauchen machte ihr Versprechen wahr - ich durfte mit zur Jagd! Es war ein schöner trockener, kalter Jagdtag, als wir uns (ca. 18 Jäger) auf dem Parkplatz vor dem Forstamt trafen. Wie auch die anderen Hunde, bekam ich ein feines rotes Leuchthalsband mit Namen und Adresse umgebunden und ab gings ins Revier. Frauchen ging als "Schützentreiber" mit, damit - wie sie sagte - mich bei meiner ersten Jagd besser im Auge behalten konnte. Wir Hunde wurden dann "geschnallt" und ich kann es ja immer noch nicht fassen - endlich durfte ich all' das tun, was ich sonst im Wald nicht darf: ich durfte nach Herzenslust stöbern - Rehe, Rotwild, Sauen. Ich war mit meinen kurzen Läufen in Hochform. Lauthals verfolgte ich die Fährten und kehrte zwischendurch immer mal wieder zu Frauchen zurück, um zu sehen, ob es ihr gut ging. Dabei versäumte ich auch nicht, wie es sich ja für einen Forstamtsdackel gehört, auch die angestellten Schützen zu begrüßen. Eine Jagdpause gab es auch und ich kontrollierte, ob auch alle ihr Butterbrot essen konnten - da gab es doch einige Jäger, die das tatsächlich nicht alleine schaffen konnten- ich mußte helfen! Das war ein Tag nach meinem Geschmack. Als nachmittags 5 Sauen, 3 Rehe und 2 Füchse auf der Strecke lagen, war ich zwar sehr müde auf den Läufen, aber sehr glücklich über diesen Tag. Von mir aus kann jeder Tag so sein - jagen ist fein - und erst das Schüsseltreiben! Zufrieden rollte ich mich auf dem Heimweg im Auto zusammen und träumte noch lange von diesem Tag.

Frauchens Mutti und ich (Mücke)

Zu Hause warteten Julchen und Frauchens Mutti schon sehnsüchtig auf uns - beide waren froh, dass wir gesund wieder nach Hause kamen. Diesmal ging ich stolzgeschwellter Brust, zwar mit müden Läufen, an Julchen vorbei.

Aber Julchen war dieses Jahr einfach nicht zu schlagen: Am 8. Dezember war Weihnachtsfeier des DTK und Sie glauben es nicht - Julchen sahnte auch hier wieder ab: 2. Preis für den erfolgreichsten, auf Prüfungen im Jahr 1995 geführten Dackel der Gruppe und 1. Preis und Wanderpreis für den erfolgreichsten Rauhhaar-Teckel im Gebrauch 1995.

Das war ein Jahr! Vielleicht wird 1996 etwas geruhsamer für uns - oder ???

Herzliche Grüße aus dem Taunus nach Niedersachsen Ihre Julchen und Mücke

Hier war der Friseurbesuch dringend notwendig!

Mücke wurde 18 1/2 Jahre und Julchen 17 1/2. Von Mücke mußte ich mich  im Juni 2009 und von Julchen im Februar 2010 trennen.

                                                                         Marie-Louise Kretschmer